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Die MS und ich

Es sind Pfingstferien. Zwei Wochen frei. Zwei Wochen Zeit für Alles. Zeit für Ruhe. Ich habe mich darauf gefreut. Dieses Mal nicht nach Hessen fahren sondern wirklich mal ganz simpel Ruhe haben. Dachte ich. Seit Dienstag wird an unserem Haus der Balkon saniert. Bravo. So viel kann man gar nicht frühstücken und bummeln gehen. Aber ich arrangiere mich. Was mich härter trifft und alles über den Haufen wirft ist viel mehr mein ständiger Begleiter. Die MS ist wieder da. Nicht etwa in Form eines Schubs sondern in Gedanken. Und das ist heimtückischer als man meint. Hm? Mal ganz anschaulich beschrieben:

Dienstag morgen, 9h: Habe Missy im Kindergarten abgegeben und sitze im Auto um nach Hause zu fahren. Das Treppensteigen wird zur Qual. Als ich oben ankomme (wir wohnen nicht etwa im 10. Stock…) bin ich so ko, dass ich meinen Plan in die Stadt zu fahren verwerfe. Bis 13 Uhr habe ich lediglich in meinem Buch gelesen. Die Beine schmerzen und krampfen, meine rechte Hand ist kaum zu gebrauchen. Jetzt habe ich erst recht keine Lust mehr noch irgendwohin zu fahren.

Mittwoch morgen, 9h: Habe Missy im Kindergarten abgegeben und sitze im Auto um in die Stadt zu fahren um dort zu frühstücken. Zu Hause hat man das Gefühl sie würden das Gebäude einreißen. Ich parke und bekomme schon beim Laufen zum Cafe einen „Tunnelblick“. Die Augen „fattern“ was dazu führt dass ich unsicher werde und langsam vor mich hin gehe. Ein spiegelndes Schaufenster sorgt dafür dass ich eben Jenes kurz sehe. Das wiederum sorgt dafür dass ich heulen könnte. Nervlich recht weit unten frühstücke ich und freue mich dass es langsam wieder besser wird. Lediglich die Beine kribbeln (https://de.wikipedia.org/wiki/Par%C3%A4sthesie). Anschließend bummle ich durch die Stadt. 10 Minuten. Ich fahre wieder nach Hause.Jetzt sind die Beine sind taub, die Augen spielen wieder verrückt. Ich lege mich ko wie nach einem Marathon ins Bett. Die Müdigkeit hat mich bis zum Abend voll im Griff.

Zum Verständnis: Ich habe immer mal wieder kleinere bis mittelgrößere MS Problemchen. Allerdings nie so ausgerpägt wie oben beschrieben.Normale (Arbeits)Tage bestreite ich bis auf Ausnahmen ganz normal. Wie jeder andere eben auch.

Wie kommt das, fragte ich mich daher gestern ganz konkret selbst. Wie kann es sein, dass ich mich defintiv krank fühle obwohl ich doch gar keinen Schub habe. Die Erkenntnis traf mich eiskalt: Genau dieses „Phänomen“ tritt immer dann auf wenn ich mit der MS alleine bin. Soll heißen wenn ich Zeit habe mich bewusst aber auch unbewusst mit ihr zu befassen. Bin ich alleine unterwegs habe ich mehr Gelegenheit auf „Fehler“/Behinderungen (*wein*) zu achten. Ist ja niemand dabei der mich davon ablenken könnte.

Wir scheinen uns immer noch nicht richtig aneinander gewöhnt zu haben, die MS und ich. Irgendwie werden wir uns nie einig und eine muss immer zeigen wer am längeren Hebel sitzt. In der letzten Zeit dachte ich immer ich sei das.

Vielleicht schwer nachvollziehbar und sehr abstrakt: Das Wissen dass die MS so viel Macht über mich hat gerade wenn ich ihr den Raum lasse. Irgendwie heißt dass ja auch dass ich „schwach“ bin weil ich es zulasse. Irgendwie heißt dass ja auch, dass ich selbst schuld bin.

Andererseits weiß ich aber auch dass ich es auch anders herum nutzen kann/könnte. Wenn ich sie im negativen Sinn beeinflussen kann, geht das irgendwie auch im positiven Sinn.

Was mich aber an all dem stört: Es ist immer ein Kampf. Zwischen mir und ihr. Immer. Ich wollte doch einfach mal ruhige Ferien haben.

Die Bauarbeiter machen Feierabend. Ich mache mir jetzt einen Kaffee…

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