Informatiker, Missy, Multiple Sklerose, Schularbeiten

Päuschen

Fast ein Jahr ist es her, dass ich hier etwas schrieb. Nicht dass ich woanders geschrieben hätte. Ich war (mal wieder) Blog-müde. Zum einen hatte ich keine Lust udn zum anderen gab es auch nicht viel zu berichten. Und ein Tagebuch-Blogger war ich ja auch noch nie.

Ja, also.. so. Und warum dann jetzt wieder? Ist denn mal etwas passiert? Nö, nicht wirklich.

Seit dem neuen Schuljahr habe ich die erste Klasse. 21 liebe Kinderchen, mitunter anstrengend aber das war zu erwarten. Und sie bringen mich jeden Tag durchaus zum schmunzeln. Beruflich ist also alles im Lot.

Weiter zum Privaten. Missy ist kürzlich fünf Jahre alt geworden. Wahnsinn wie schnell das ging. Nächstes Jahr kommt sie in die Schule. Und schwupps wird man zu einer dieser Mütter, die sich vor Staunen über die schnell vergehende Zeit kaum noch einkriegen. Auch sonst macht sie sich ziemlich gut. Habe ich vor kurzem noch mit Grauen an die künftige Schulzeit gedacht und ihre künftige Lehrer anklingeln hören, so ruhig bin ich mittlerweile geworden.  Missy ist ebendieses auch geworden. Ruhiger, geht besser mit Ärger, Wut und Frust um. Ist im Gleichgewicht angekommen. Natürlich diskutiert man sich immer noch oft genug dumm und dusslig mit ihr. Natürlich redet sie auch immer noch ohne Punkt und Komma (aber sooo gewählt dass mein Deutschlehrerinnen Herz stolz hüpft) und kann auch wie gehabt frech sein, aber gut. Im Großen und Ganzen ists schon alles gut so wie es ist.

Dem Informatiker gehts auch gut (er scheint hier ja auch ein heimlicher Favourit zu sein, denn immer wenn ich auf meinen Blog angesprochen werde fragen viele nach ihm). Wir haben seit beinahe einem Jahr – ganz spießig und Ü30 mäßig – einen Schrebergarten. Und mit ihm eine gemeinsame Freizeitaktivität. Auch nett und viiiiel frische Luft.

MS? Was soll ich sagen? Es ist bald wieder Ostern und getreu der Tradition meldet sie sich gerade. Mehr als die „normalen“ Meldungen. Melden im Sinn eines Schülers der nicht nur die Hand nach oben streckt, sondern mit dieser zudem winkt und schnippst. So lange bis er entweder dran genommen oder nachdrücklich ermahnt wird. Beruflich tendiere ich in solchen Situationen eher zum ermahnen, machmal zum links liegen lassen. Gesundheitlich geht mir diese Sicherheit (immer noch) ab. Hier gehe ich seltener so souverän damit um. Wohl weil es nur ich betrifft. So auch jetzt. Ich drücke mich zudem vor einer Definition dieser momentanen Geschichte. Sprich ob es nun ein Schub ist oder nicht. Vielleicht weil es ja schlussendlich nichts ändern würde. Also verbringe ich nun erst mal die nächsten Tage ausschließlich mit meinem MS Quengler und höre auf den Arzt und alle anderen um mich herum: Ausruhen und nichts sonst tun!

Na dann, bis zum nächsten Mal. Habe ja jetzt Zeit.

Informatiker, Missy, Multiple Sklerose, Schularbeiten, Start, Trotzen und Motzen

Schritt für Schritt für Schritt für Schritt….

Lange wars still hier. Ziemlich lang. Es braucht wohl einen schreibwürdigen Grund warum dem so war. Und einen schreibwürdigen Grund warum ich nun wieder schreibe. Der Informatiker meinte kürzlich „da müsse ich schon ein richtig gutes Thema bringen. Eins was den Leser umhaut.“ Also habe ich überlegt was mich umhaut bzw. umgehauen hat und schlußendlich dafür sorgte, dass ich eine Weile Blog-faul war. Das Leben wars. Ob das jetzt einen Leser umhaut weiß ich nicht und ich verüble es keinem wenn er jetzt die Augen verdreht und aufhört zu lesen.

Also, was war los? Der letzte Schub und der Sommer haben mich zuviel gekostet an Kraft, Gesundheit und Nerven. Zu Erstem… mein rechtes Bein wird nie mehr so funktionieren wie ich es gerne hätte. Das bedeutet nun zum ersten Mal in der Tat Einschränkungen für mich. Das macht mich manchmal traurig. Unter anderem bekam ich im Spätsommer vom Arzt nahe gelegt meinen Nerven endlich mal mehr zu schonen. Er verschrieb mir fröhliche Tabletten. Die wirkten rasch, ließen mich endlich mal wieder ruhiger schlafen. Diese waren wohl auch ein Grund für den fast vollständigen Web 2.0 Rückzuck. Facebook habe ich seit September nicht mehr offen gehabt, Twitter las ich kaum noch. Freundschaften ließ ich schleifen. Ich lernte auszublenden, wohl nicht immer das Richtige, bis mir eigentlich alles gleichgültig war. Die Nerven wurden damit defintiv geschont. Ich habe allerdings auch nicht mehr viel gefühlt, am allerwenigsten mich selbst. Irgendwann begann ich daran zu verzweifeln. Vor einigen Wochen habe ich das Mekdikament abgesetzt.

Jetzt kann ich wieder weinen. Weinen weil ich ein halbes Jahr verschenkt habe. Die Gefühle sind wieder da, die traurigen/wütenden/verzweifelten aber auch die guten. Zur Zeit sortiere ich sie und mich.

Was war bzw. ist sonst noch? Missy wird bald vier Jahre alt und tatsächlich haben die Trotzanfälle und deren Intensität abgenommen. Ich selbst gehe allerdings auch anders und ruhiger damit um.

Die Arbeit macht mir wie gehabt viel Spaß. Ich habe für das kommende Schuljahr große bwz kleine Pläne und wünsche wünsche wünsche mir die neuen Kleinen. Abwarten was erfüllt wird.

Ich gehe seit Neustem wieder zum Sport, was ja auch seit zu langer Zeit überfällig war. Und was soll ich sagen: Der innere Schweinehund ist kein Thema.

Das wars an dieser Stelle. Ein regelmäßigeres Schreibversprechen kann ich nicht geben, denn der Mann meines Herzens (*schleim*) schimpft an solchen Stellen immer und meint: „Nichts versprechen, MACHEN!“

 

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Viel los und irgendwie doch nicht

In der Welt passiert gerade ziemlich viel. Unzählige Blogger schreiben darüber, gefühlt bezieht fast jeder dazu Stellung. Ich sprach kürzlich mit dem Informatiker darüber dass meine Blogthemen lächerlich, banal und unangebracht angesichts der schlimmen Lage von so unheimlich vielen Menschen erscheinen und ich deshalb eigentlich lieber nichts schreiben mag gerade. Er meinte ich dürfe das nicht so sehen. Versuche ich es dann mal.

Was passiert also in meiner beschaulichen Welt gerade so? Die Blog-Reihe „Glück“ pausiert weil ich mich momentan alles andere als glücklich fühle. Denn vor Kurzem musste ich mir etwas eingestehen was sehr sehr schwer fällt, mich seit längerem begleitet. Ich glaube ich schrieb sogar irgendwann mal darüber bzw. erwähnte es am Rande. Nach Missys Geburt bekam ich ziemlich brutal vor Augen geführt was es bedeutet traurig zu sein. Da waren die Hormone die sich zu lange nicht einpendeln wollten, da war die MS die es mir 10 Monate verdammt schwer gemacht hatte, da waren die Wochen die ich nur noch weinen konnte und da waren die Ärzte die mir immer sagten: „Das kann vorkommen nach einer Geburt. Das geht schon wieder weg. Da brauchen wir nichts machen.“ Da war das kleine Baby das so viel weinte, da war das halbe Jahr alleine in Marburg, da war der Umzug in die fremde Stadt, da war das Heimweh, da war die MS die sich vermehrt bemerkbar machte. Und dann war da vor zwei Wochen der Hausarzt, der mch verzweifelt anschaute nachdem ich das alles erzählte. Der besorgt schaute als ich meinte dass ich nicht mehr lachen kann, so unheimlich traurig bin und nur noch das Gefühl habe alles stürzt über mir ein. Der es nicht glauben konnte dass ich das alles so lange für mich behalten habe. Der mir auf den Kopf zusagte, dass ihm das nicht gefalle. Dass ich nach der Geburt den Babyblues hatte der sich langsam aber sicher in eine richtige Depression gewandelt hatte.

Und nun? Stehe ich auf diversene Wartelisten und nehme ein blaues Pillchen ein in der Hoffnung dass ich so dem Nervenzusammenbruch den der Doc mir vorhersagte aus dem Weg gehen kann. Obwohl ich vielleicht in Zukunft das „aus dem Weg gehen“ überdenken sollte, denn genau dieses „links liegen lassen“ hat mich überhaupt erst hierher gebracht.

Die MS ist aber immerhin recht ruhig gerade.

 

Kurz trotzdem auch von mir etwas zur aktuellen Flüchtlingslage: Ich habe beruflich in den letzten beiden Jahren mit Flüchtlingen und Asylbewerbern zu tun gehabt. Nur soviel: Es macht mich so unglaublich wütend wenn ich sehe/höre/spüre wie manch einer über Menschen die so viel Furchtbares durchlebt haben redet (oder Schlimmeres tut). Ich bin so sauer wie primitiv und ignorant manch einer sein kann. Punkt.

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Auf der Suche nach DEM Glück – Teil 3: Das Glück der Anderen

Heute gibts in der Interview Reihe einen Text. Ich habe mich entschieden ihn genau so wie ich ihn bekomme habe zu veröffentlichen und ihn nicht „duchzunummerieren“. Danke liebe S. für die bewegenden Worte. Es ist schön dich als stetige Leserin zu wissen. Ich wünsche dir dass auch du dein Glück findest.

 

Liebe Angela    

Ich finde es gut, dass du so etwas versuchst. Ich kann dir aber dabei fast gar nichts beitragen.   Ausser vielleicht Nummer 5 und 6 beantworten. 

Antwort zu Nummer 5: Nein

Antwort zu Nummer 6: Ich erinnere mich an Glücksgefühle, die ich das letzte Mal in meinem Leben an dem Tag vor dem Tod meines Ehemannes (im Juni 1994) fühlte. Seither habe ich zwischendurch mal Spass, bin hin und wieder zufrieden, aber glücklich war ich seither nie wieder. (Die Depression ist immer zu nahe und die MS Diagnose vor bald 7 Jahren half mir dabei auch gar nicht) Für mich hing Glück also ganz stark mit meinem Mann zusammen. Wären wir heute noch glücklich, hätte er gelebt? Keine Ahnung. (Wir waren nur knapp 10 Jahre verheiratet) Hätte ich heute MS, hätte er gelebt? Keine Ahnung. Wäre ich heute glücklich, hätte ich ein Kind gross ziehen können? Keine Ahnung, ich hoffe nur, dass es so gewesen wäre und denke immer, dass ein Kind ein Halt ist im Leben, ein Grund, jemand anderen an erste Stelle zu setzen. Ich wünsche anderen Kinder und hätte auch mir eines gewünscht, hat aber nicht sollen sein! L Ich hätte ‚im Moment‘ leben wollen, im Moment mit einem Kind, hätte extrem beobachten wollen, aus allem ein Lernspiel machen wollen. Aber wahrscheinlich hätte mich der Alltag von all dem auch abgehalten.

Ich finde mich in deinen Gedankengängen in deinem Blog manchmal wieder und wünsche dir dann sehr, dass Missy und dein Informatiker dich wieder ins Lot bringen und deine Zufriedenheit zu Glück wird.      

Ich hoffe, dass andere positiver antworten, als ich das kann. Da ich eben kein Kind habe (und Freunde und Verwandte mit Kindern zu weit weg sind) wurden meine Tiere immer zum Ersatz und die ehesten Glücksgefühle (wenn sie das dann überhaupt sind) geben mir die Katzen. (Hatte vor MS schon Hund und Katze, jetzt nur noch 2 Katzen)    

Ich freu mich immer darüber, deinen Blog zu lesen, vielleicht eben, weil in meinen jungen Jahren Lehrerin und Mutter sein mein Traum war. So hoffe ich, dass andere diesen Traum leben können.

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Auf der Suche nach DEM Glück – Teil 3: Das Glück der Anderen

Heute gibts mal wieder meine gesammelten Antworten auf meinen Fragebogen. Da die liebe Julia von MamaSchulze Foto Julia2 heute Geburtstag hat macht sie auch gleich den Anfang. Im Anschluss folgen die Antworten von Marcus. Beide haben wie ich auch Multiple Sklerose.

  1. Was hat dich heute glücklich gemacht?
  2. Welche Menschen sind dir wichtig/wer macht dich glücklich?
  3. Wann warst du das letzte Mal unglücklich und warum?
  4. Was hat dir dabei geholfen wieder fröhlicher/glücklicher zu sein?
  5. Kannst du von dir sagen, dass du ein glücklicher Mensch bist? Warum?
  6. Was ist deine persönliche Definition von Glück“?

Julia schrieb:

  1. Wir haben uns heute für ein neues Auto entschieden und die Entscheidung hat sich super angefühlt. Ja, vielleicht etwas sehr materialistisch, dieses Glück. Aber wir haben monatelang überlegt, welches Auto wir nehmen sollen. Da bin ich nun einfach froh, dass wir endlich eine Entscheidung getroffen haben. Und heute Morgen, als meine beiden Töchter zu mir ins Bett gekrochen sind und sich 30 Sekunden lang ruhig an mich gekuschelt haben- das war auch pures Glück. *Seufz*
  2. Mein Mann und meine beiden Töchter sind die Menschen, die mir am wichtigsten sind. Und sie machen mich jeden Tag unsagbar glücklich.
  3. Im Juni hatte ich meine Routineuntersuchungen für die Multiple Sklerose. Davor habe ich mir sehr viele Sorgen gemacht und viel über die MS nachgedacht. Ich habe gehadert mit meinem Leben und war unglücklich, dass ich diese beschissene Krankheit abbekommen habe. Es hat mir geholfen, dieses Gefühl zuzulassen. Ich habe viel geweint und hatte einen Hass auf die Welt.
  4. Ich habe mir bewusst gesagt: „Schluss damit!“ Denn es hilft mir dann ebenfalls, mich bewusst wieder für das Glück in meinem Leben zu entscheiden. Das ist im ersten Schritt anstrengend, aber es hilft mir. Ich muss die unglücklichen Gedanken dann richtig auf die Seite schieben, quasi gedanklich abschütteln. Und meine beiden Töchtern anzuschauen, sie zu beobachten, wie sie sich an den kleinen Dingen erfreuen, das heitert mich auch immer wieder auf. Sie geben meinem Leben einen Sinn!
  5. Ja, das kann ich sagen. Ich habe Glück gehabt in meinem Leben und ich habe einen Mann gefunden, mit dem ich das Glück teilen kann. Er ist ein sehr positiver Mensch, der sich auch immer wieder vor Augen führt, welches Glück er hat bzw. an welchen Dingen er sich gerade erfreut. Das macht es mir natürlich auch einfach. Auch gerade in Bezug auf die MS.
  6. Glück ist eine Entscheidung. Es liegt ganz allein bei mir, ob ich glücklich sein möchte oder nicht. Und daher lässt es sich nicht allein an einem Zustand (Kinder, Ehe, Besitz) festmachen. Ich habe immer die Möglichkeit mich zu entscheiden, ob mein Glas halb voll oder halb leer ist. Ich persönlich wähle das halb volle.

Marcus antwortete:

  1.  Heute noch nix…
  2. Meine Kleene/Freunde…
  3. Gestern, nach dem positiven MRT Termin…
  4. Eigenmotivation und Abschalten, das Hinnehmen der Situation…
  5. Manchmal ja, manchmal nein… zur Zeit eher unglücklich/nicht zufrieden mit der Gesamtsituation…
  6. Der positive Moment überwiegt den negativen…

Lieber Marcus und liebe Julia -a uch hier übrigens noch mal ein gaaaaanz großes HAPPY BIRTHDAY – Mach weiter so. Ich finde dich klasse! Ernsthaft! Du bist mein Vorbild ❤ –

vielen Dank für die Antworten. Toll dass ihr mitgemacht habt.